Die aktuelle Kita-Bedarfsplanung des Landkreises Zwickau stand auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses auf der Tagesordnung. „Es gibt ausreichend Kapazitäten, so dass die jungen Eltern genügend Auswahlmöglichkeiten haben, doch die Kommunen stoßen bei der Finanzierung längst an ihre Grenzen“, sagt „Freie-Wähler“-Fraktionsvorsitzende Dorothee Obst.

Sinkende Kinderzahlen, steigende Kosten

Im Landkreis Zwickau ist die Zahl der Lebendgeborenen seit 2014 kontinuierlich gesunken – von 2.601 auf nur noch 1.722 im Jahr 2024, ein erneuter Tiefstand, der selbst die pessimistischsten Prognosen des Freistaates unterschreitet. „Das stellt uns in den Kommunen vor große Herausforderungen“, sagt die Kirchberger Bürgermeisterin. Denn obwohl weniger Kinder betreut werden, steigen die Kosten – vor allem im Krippenbereich. Der Freistaat Sachsen hat seine Zuschüsse seit Jahren nicht ausreichend an die reale Kostensteigerung angepasst. „Gerade im Krippenbereich sind wir weit weg von der Drittelbeteiligung des Freistaates“, so Dorothee Obst. Für die Städte und Gemeinden bedeutet das, dass sie immer größere Eigenanteile übernehmen müssen, nur um Kitas offen zu halten und Elternbeiträge stabil zu halten. „Eine Dynamisierung der Landeszuschüsse, die seit Jahren gefordert wird, lässt weiterhin auf sich warten“, macht die Fraktionsvorsitzende deutlich. Weniger Kinder bedeutet weniger Personal, denn sonst würden die Kosten für die Kommunen noch weiter steigen. Die Kommunen müssen sich von guten Fachkräften trennen, denn ohne Kinder gibt es auch kein Geld vom Freistaat. Dorothee Obst ist überzeugt: „Die freiwerdenden Kapazitäten könnten für etwas genutzt werden, das lange zu kurz kam – echte Qualitätsverbesserung. Das würde aber bedeuten, dass noch mehr Geld zur Verfügung gestellt werden müsste. Bessere Personalschlüssel reichen dabei nicht aus, es muss sich grundsätzlich etwas ändern.“ Sie fordert: Ein Kind – ein Zuschuss, unabhängig davon, ob das Kind 4,5 Stunden oder 9 Stunden in der Kita betreut wird. „Somit wäre mehr Zeit für jedes Kind, mehr Raum für individuelle Förderung.“

Teams beklagen die Rahmenbedingungen

Dass hier Handlungsbedarf besteht, belegt auch der Kita-Bedarfsplan des Landkreises. Bei der Erhebung wurden die Einrichtungen unter anderem nach dem Stellenwert gefragt, den die aktive Beteiligung von Kindern an ihrer Alltagsgestaltung in den Pädagogenteams einnimmt. Das Ergebnis ist ernüchternd: Der Anteil der Erzieherteams, die fehlende Rahmenbedingungen als ihr größtes Hindernis für die aktive Beteiligung der Kinder nennen, ist zuletzt um 12 Prozentpunkte gestiegen. Die Botschaft ist eindeutig: Das Personal will besser arbeiten – es fehlen die Bedingungen dafür.

Der Freistaat muss handeln

„Wir fordern eine spürbare und dauerhafte Dynamisierung der staatlichen Zuschüsse an die Kommunen – insbesondere für den Krippenbereich“, so Dorothee Obst weiter. Die Gemeinden des Landkreises Zwickau können und wollen gute Kindertagesbetreuung anbieten. Dafür brauchen sie aber eine verlässliche Finanzierungsgrundlage vom Freistaat Sachsen, die der Realität entspricht. „Qualität kostet – und darf nicht dauerhaft auf dem Rücken der Kommunen und Familien abgeladen werden“, macht sie deutlich.