Der Landkreis bekommt endlich eine intensiv-therapeutische Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung. Das hat der Jugendhilfeausschuss des Landkreises Zwickau auf seiner jüngsten Sitzung beschlossen. Die „Freie Wähler“-Kreistagsfraktion begrüßt diesen wichtigen Schritt, mit dem für junge Menschen in besonders belastenden Lebenslagen ein dringend benötigtes regionales Unterstützungsangebot entstehen soll.
„Die Unterbringung und Unterstützung psychisch erkrankter Kinder ist ein sehr wichtiges Thema. Es ist deshalb richtig, dass im Landkreis endlich ein entsprechendes Angebot geschaffen wird“, erklärt Dorothee Obst, Fraktionsvorsitzende der „Freie Wähler“-Kreistagsfraktion.
Hilfe dort, wo sie gebraucht wird
Die Einrichtung soll in enger Kooperation zwischen dem Landkreis Zwickau, dem Jugendamt, dem Heinrich-Braun-Klinikum Zwickau und dem künftigen Träger, dem Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Zwickau e. V., entstehen. „Die Kinder sollen nicht nur im Heinrich-Braun-Klinikum behandelt, sondern bei Bedarf auch in einem Wohnheim weiter unterstützt werden können“, so Dorothee Obst weiter. Die Einrichtung richtet sich an Kinder und Jugendliche mit komplexen psychischen, emotionalen und sozialen Belastungen – etwa bei Traumafolgestörungen, psychischen Erkrankungen, herausforderndem Verhalten oder mehrfachen Belastungslagen.
Zum Hintergrund: Bestehende Angebote der Jugendhilfe und die Kinder- und Jugendpsychiatrie stoßen zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Fehlende Plätze führen bislang häufig zu langen Wartezeiten, Krisenunterbringungen, wiederholten Wechseln von Einrichtungen oder Unterbringungen weit entfernt vom vertrauten sozialen Umfeld. Die neue Einrichtung soll Stabilität schaffen und Therapie, intensive pädagogische Begleitung sowie individuelle Förderung eng miteinander verbinden.
Vorgesehen sind zunächst 16 stationäre Plätze in drei Bereichen: vier Plätze ab sechs Jahren in einem besonders intensiv-therapeutischen Bereich, jeweils sechs Plätze für Kinder von sechs bis zwölf Jahren sowie für Jugendliche von 13 bis 18 beziehungsweise 21 Jahren. Perspektivisch sollen vier weitere Plätze im Betreuten Wohnen für 16- bis 18-Jährige entstehen. Ziel ist es, den jungen Menschen nach einer Stabilisierung schrittweise mehr Selbstständigkeit zu ermöglichen und ihnen langfristige Perspektiven für die Rückkehr in die Familie, in Regelangebote oder in ein eigenständiges Leben zu eröffnen.
Langfristig und tragfähig planen
Für die „Freie Wähler“-Kreistagsfraktion kommt es nun auf eine verlässliche und langfristige Umsetzung an. Dorothee Obst betont: „Mir war besonders wichtig, dass der Landkreis genau hinschaut, wenn der Arbeiter-Samariter-Bund eigenständig nach einem geeigneten Objekt sucht. Das Angebot muss finanziell tragfähig sein und ausreichend Plätze bieten.“
Zugleich müsse verhindert werden, dass ein langfristig konzipiertes Projekt nach wenigen Jahren durch eine neue Ausschreibung gefährdet werde, so Obst: „Es darf nicht die Gefahr entstehen, dass ein anderer Träger übernimmt und der ASB anschließend auf dem Objekt sitzen bleibt. Der Landkreis hat öffentlich zugesichert, dass für dieses Konzept eine andere Regelung gilt und es langfristig angelegt ist. Das ist ein wichtiger Punkt.“
Verantwortung für junge Menschen
„Es hat lange gedauert, ein solches Konzept auf den Weg zu bringen. Der Bedarf ist enorm. Umso besser ist es, dass jetzt eine verlässliche Lösung entstehen soll“, sagt die Fraktionsvorsitzende der „Freien Wähler“. Gleichzeitige zeige diese Entwicklung, wie groß die Herausforderungen für viele Kinder und Jugendliche inzwischen sind. „Es ist bedrückend zu sehen, wie viele junge Menschen psychische Probleme haben und auf professionelle Hilfe angewiesen sind. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, der wir dauerhaft Aufmerksamkeit schenken müssen.“